Neubau einer Kindertagesstätte mit 6 Gruppen und angeschlossenem Familienzentrum

  • Foto 1308
  • Foto 1307 Foto 1306 Foto 1305 Foto 1304 Foto 1303 Foto 1302 Foto 1301

Das geplante Gebäude schmiegt sich an die nördliche (Straßenseite) und die östliche Grundstücksgrenze. Wie die Schenkel eines Zirkels umspannen zwei kompakte Gebäudeflügel einen großzügigen Außenspielbereich. Die Baukörper entlang der Georg-Nave-Straße sind zweigeschossig, während der südliche Gebäudeflügel zunächst eingeschossig ausgeführt wird. Hier kann eine Erweiterung um zwei Gruppen als Aufstockung in einem zweiten Bauabschnitt leicht und unkompliziert realisiert werden.
Die Funktionen innerhalb der Baukörper sind über die Gestaltung der Fassade auch von außen klar ablesbar. Während die gemeinschaftlichen Bereiche in eine hölzerne Schalung „gekleidet“ sind, zeigen sich die Fassaden der Gruppenbereiche mit schlichtem Verputz. Die Fenster werden von auskragenden Blendrahmen in Farbe der zugehörigen Gruppe eingefasst. Wie ein hüpfender Ball variieren sie in der Höhe. Die großen Verglasungen der straßenseitigen Differenzierungsräume werden von der hier aufgelockerten Holzschalung überspannt, so dass ein interessantes Spiel für Blickkontakte zum Außenraum möglich ist.
Die kontrastreiche Fassadengestaltung entwickelt sich von eher geschlossen (Straße) zu sehr offen (Garten). Entlang der Südfassade des an der Straße gelegenen Flügels ist ein Laubengang vorgelagert. Über einen von baumartigen Stützen getragenen Steg mit Rampen, die sich die vorhandenen Höhenniveaus des Grundstücks zunutze machen, kann die Außenspielfläche auch vom Obergeschoss barrierefrei ohne Aufzug erreicht werden.
An der Stirnseite des Straßenflügels befindet sich eine Außentreppe als Fluchttreppe und zur Erschließung einer separaten Außenspielfläche für U3-Kinder. Eine weitere Außentreppe an der Ostseite des „Gelenks“ sichert die Entfluchtung des oberen Foyers und des möglichen später aufgestockten Clusters.
Begrünte Flachdächer, nach Süden orientierte Pultdächer und Lichtkuppeln sorgen für gutes Klima, Nutzung von solarer Energie und gute Belichtung.


Erschließung

Der Haupteingang der Einrichtung liegt im nordöstlichen Bereich des Plangebietes an der Georg-Nave-Straße. Ein auskragendes Vordach bietet Schutz vor Witterung und ermöglicht einen witterungsgeschützten Übergang zum angrenzenden Fahrrad-Abstellplatz. Die Sichtbarkeit des Eingangsbereiches wird durch die Gestaltung des Vordaches positiv beeinflusst. Eine Zufahrt für die Anlieferung der Speisen ist östlich des Gebäudes in direktem Anschluss an den Küchenbereich vorgesehen. Die Erschließung erfolgt ebenfalls über die Georg-Nave-Straße.
Der Parkplatz mit 16 Stellplätzen ist als Parkhafen mit Umfahrung ausgebildet. Er liegt nordwestlich des Gebäudes und wird über die Georg-Nave-Straße erschlossen. Zwischen Parkplatz und Haupteingang des Gebäudes verläuft ein Fußweg parallel zum vorhanden Gehweg mit einiger Entfernung zur Straße. Dieser trägt positiv zum sicheren Erreichen der Einrichtung bei.


Innenräume / Innenarchitektur

Das nordöstlich gelegene „Gelenk“ des „Zirkels“ bildet Haupteingang, Treffpunkt und zentralen Verteiler der Einrichtung. Über einen Windfang mit angeschlossenem Kinderwagenraum wird das großzügige Foyer betreten.
Durch eine große runde Deckenöffnung und die darüber angeordnete Lichkuppel im Dach entsteht ein gut beleuchtetes, kommunikatives und repräsentatives Atrium, das beide Geschosse über eine geschwungene Treppe und den Aufzug verbindet. Auf der unteren Ebene gruppieren sich Küche (mit eigener Zufahrt und Eingang für die Anlieferung und Entsorgung), Funktionsräume, KiTa-Restaurant, Büro Leitung und Elterncafè um das Zentrum. Auf der oberen Ebene befindet sich das Familienzentrum mit koppelbaren Mehrzweck- und Geräteräumen, der PEKIP-Raum und der Eltern-Besprechungsraum. Auf beiden Ebenen finden sich Sitzbänke, Garderoben und WCs. Auf der unteren Ebene ist das WC barrierefrei und mit Dusche ausgestattet. Die großflächige Verglasung von KiTa-Restaurant (unten) und Eltern-Besprechungsraum (oben) steigert die Aufenthalts- und Nutzungsqualität der Räume und des Foyers. Im KiTa-Restaurant findet sich eine zusätzliche kleine Küchenzeile für gemeinsame Eltern/Erzieher-Kind Kochaktivitäten. Das Restaurant öffnet sich zu einer nach Südwesten ausgerichteten Terrasse, die im Gelenk der beiden Gebäudeflügel guten Windschutz bietet und von der die gesamte Außenspielfläche gut eingesehen werden kann.
Die an das zentrale „Gelenk“ anschließenden Gebäudeflügel lassen sich durch großzügig verglaste Türanlagen leicht abschließen, so dass eine unabhängige Nutzung des Familienzentrums außerhalb der Öffnungszeiten der KiTa gewährleistet ist. Im Obergeschoss des an der Georg-Nave-Straße gelegenen Flügels befinden sich der Personal-Sozialraum und der Raum für die Teamsitzungen. Dieser kann durch eine mobile Trennwand in zwei unabhängig nutzbare Räume unterteilt werden z.B. für Dokumentations- und Vorbereitungsarbeit.
Innerhalb der beiden Gebäudeflügel sind die Gruppenräume mit den jeweils zugehörigen Funktionsbereichen in kleine clusterartige Einheiten strukturiert und klar organisiert. Jeder Flügel bietet dabei Raum für zwei Gruppeneinheiten pro Ebene mit gemeinsamem Differenzierungsraum, Sanitärbereich, Sandschleuse und Zugang zum Außengelände. Schlafräume und Garderobenbereiche liegen der jeweiligen Gruppe gegenüber. Die funktionale Raumaufteilung ermöglicht gruppeninterne Abläufe auf kurzen Wegen.
Wie einzelne Gebäude an einer Dorfstraße reihen sich die einzelnen Räume links und rechts des Flures. Anhand der Farbcodierung ist eine leichte Orientierung und Identifikation mit dem „eigenen Haus“ möglich. Zwischen den Häusern, Im Bereich von Garderoben und Sandschleusen weiten sich die Flure, großflächige Verglasungen sorgen für hohe Transparenz und gute Belichtung und schaffen eine platzartige Situation mit hoher Aufenthaltsqualität. Hier kann gespielt und getobt werden, ohne die ruhigeren Aktivitäten in den Gruppenräumen zu stören. Die Erzieher können hier beide Gruppen gut im Blick behalten.
Durch die Gleichwertigkeit der Gruppenräume und Cluster wird eine hohe Flexibilität der Nutzung und ein späterer Wechsel der Gruppenform und des KiTa-Konzepts ermöglicht.
Die konsequente barrierefreie Gestaltung gewährleistet die möglichst weitgehende Teilhabe von Kindern mit eingeschränkter Beweglichkeit. In Foyer und Fluren werden Deckenöffnungen angeordnet, die den Raum Ebenen-übergreifend erlebbar machen. Sie sorgen für eine gute Belichtung der unteren Ebene und ermöglichen die Kommunikation zwischen unten und oben.


Außenspielfläche

Der Außenbereich gliedert sich in eine große zusammenhängende Freifläche entlang der südlichen Grundstücksgrenze, sowie einen separierten Bereich für jüngere Kinder (U3) westlich des Gebäudes, der den entsprechenden Sicherheitsanforderungen genügt. Das Außengelände kann bei Bedarf (z.B. Austausch des Sandes, Abfuhr von Grünabfällen) über den Parkplatz befahren werden. Die Ausbildung einer naturnahen „Landschaft“, die sich in die vorhandene Topografie einbettet, ist vorgesehen. Verschiedene Spielbereiche sind dabei klar ablesbar. Die Gliederung erfolgt durch Hügel und Täler, Plattformen, Wege, Rasenflächen und eine Sandlandschaft mit Wasser-/Matschbereich. Die Außenfläche bietet genügend Raum für Ball- und Mannschaftsspiele, Rutsche, Schaukel, Pavillon, Nutzgarten mit Beeten und Obstbäumen.
Eine befestigte Fläche zieht sich als Weiterführung des Parkplatzes in die Freifläche hinein und dient den Kindern für das Befahren mit Rollern, Dreirädern, Bobbycars und Lauffahrrädern.


Bauweise/Konstruktion

Stahlbeton-Sohlplatte mit Streifenfundamenten. Außenwände und tragende/aussteifende Innenwände in Mauerwerk. Nichttragende Wände in Trockenbauweise. Stahlbetondecken. Lehmputz unter modularen Lehm-Deckenheizplatten. Dreifachverglaste Holz-Aluminium-Fenster. Holz-Dachkonstruktion mit Zwischensparrendämmung, Flachdach mit Gefälledämmung auf Stahlbetondecke.

Brandschutz-Konzept
Schutzziel-orientierte Brandwarnanlage nach Vornorm DIN VDE V 0826-2 (Aufschaltung zur Feuerwehr nicht erforderlich). 3 Brandabschnitte (2 Flügel, 1 Gelenk). Guter Brandschutz durch Stahlbetondecken. Schnelle Entfluchtung durch diverse Ausgänge und Notausgänge in beiden Geschossen.


Energie- und Lüftungs-Konzept, sommerlicher Wärmeschutz

Hoher Dämmstandard vorgesehen. Thermische Aktivierung des Erdreichs unter der Sohlplatte zur Speicherung der sommerlichen solaren Energiegewinne zur Nutzung für Heizung und Warmwasser auch im Winter durch zeitgemäße Wärmepumpen-Technik. Wenig Dämmung der Sohlplatte erforderlich. Solarthermie und Photovoltaik auf der geneigten Süd-Dachfläche. Kontrollierte Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung sorgt für zugfreie und gleichbleibend hohe Raumluftqualität auch in den Wintermonaten. Freie Fensterlüftung ist dennoch jederzeit möglich. Fußboden- und Deckenheizung liefert angenehme Wärme im Winter, Kühlfunktion im Sommer. Südliche Glasflächen mit außenliegender Verschattung (Textilscreens). PV-gespeiste E-Ladestation für Mitarbeiterfahrzeuge möglich. Passivhausstandard und weitgehende Energie-Autarkie mit geringen Mehrkosten möglich.


Wirtschaftlichkeit

Die kompakte Bauform erweist sich als positiv für die Entwicklung der Kosten. Durch intelligente Planung von Brandschutz, Heizungs- und Lüftungstechnik geringe Kosten bei hoher Effizienz. Geringe Bewirtschaftungskosten durch geringen Energiebedarf und einfach zu wartende Technik. Weitgehende Verwendung nachhaltiger, recyclingfähiger und ökologischer Baustoffe.
Ein Keller ist nicht vorgesehen, was sich positiv auf die Baukosten auswirkt.